Bitcoin unter Druck: Was hinter dem Rückgang steckt – und welche Marken jetzt entscheidend sind
Der Bitcoin-Markt hat in den vergangenen Tagen eine Bewegung erlebt, die selbst erfahrene Anleger kurz innehalten ließ. Innerhalb kurzer Zeit fiel der Kurs deutlich – ein Rückgang, der nicht nur technisch auffällt, sondern auch psychologisch Spuren hinterlässt. Die zentrale Frage lautet nun: Handelte es sich lediglich um eine technische Korrektur oder gibt es tiefere Ursachen? Und vor allem: Wo liegen die entscheidenden Unterstützungen, die über die nächsten Wochen entscheiden könnten?
In der aktuellen Ausgabe von Bit & Coin diskutieren wir gemeinsam mit Flo und Dirk, welche Faktoren den Rückgang ausgelöst haben könnten, wie institutionelle Investoren die Lage bewerten – und warum die Marke von 60.000 US-Dollar derzeit mehr ist als nur eine Zahl im Chart.
Der Auslöser: Mehr als nur Markttechnik?
Wenn Märkte plötzlich stark fallen, suchen viele zunächst nach einem klaren Ereignis. Tatsächlich scheint es auch diesmal einen konkreten Impuls gegeben zu haben. Dirk verweist auf die Diskussion rund um Kevin Warsh, der von Donald Trump als möglicher zukünftiger Notenbankchef in den USA ins Spiel gebracht wurde. Warsh gilt als geldpolitischer Falke – also als jemand, der tendenziell weniger schnell zu Zinssenkungen greift und weniger offen für expansive Maßnahmen wie Quantitative Easing (QE) ist.
Allein diese Erwartung kann an den Märkten erheblichen Druck erzeugen. Denn gerade Bitcoin profitiert häufig von Phasen, in denen Liquidität reichlich vorhanden ist und Kapital auf der Suche nach Rendite in risikoreichere Anlageklassen fließt. Wenn die Aussicht entsteht, dass dieses Umfeld sich verändert, reagieren Anleger oft sofort – und zwar nicht selten überproportional.
Interessant ist dabei: Die offiziellen Markterwartungen hinsichtlich der nächsten Zinsschritte haben sich laut Dirk kaum verändert. Dennoch reichte die Personalie aus, um Unsicherheit zu erzeugen. Märkte handeln schließlich nicht nur Fakten, sondern vor allem Erwartungen.
Gerüchte aus Asien: Hedgefonds, Carry Trades und Liquidationen
Neben dem geldpolitischen Faktor kursierten weitere Erklärungen. Dirk erwähnt Gerüchte über asiatische bzw. chinesische Hedgefonds, die sich möglicherweise verspekuliert hätten und gezwungen gewesen seien, sogenannte Carry Trades aufzulösen. Solche Positionen können durch Marktbewegungen schnell unter Druck geraten – und wenn Kapital kurzfristig benötigt wird, werden liquide Assets wie Bitcoin oft zuerst verkauft.
Ob diese Spekulation zutrifft, lässt sich nicht sicher belegen. Dennoch passt sie ins Gesamtbild: Der Kursrutsch geschah in der Nacht europäischer Zeit, was darauf hindeutet, dass die Bewegung ihren Ursprung tatsächlich in Asien gehabt haben könnte.
Die technische Kaskade: Stop-Loss-Ketten als Brandbeschleuniger
Egal ob geldpolitischer Impuls oder Liquidationsgerücht: Was danach folgte, war ein klassischer Mechanismus moderner Märkte.
Der Bitcoin fiel nicht langsam und kontrolliert, sondern beschleunigte sich nach unten – ausgelöst durch Stop-Loss-Orders, die in einer Kettenreaktion aktiviert wurden. Sobald ein technisches Level fällt, geraten gehebelte Long-Positionen unter Druck, werden liquidiert und erzeugen zusätzlichen Verkaufsdruck. Daraus entsteht eine Abwärtskaskade, die sich selbst verstärkt.
Der Markt testete in diesem Zuge kurzfristig sogar die Zone um 60.000 US-Dollar – eine Marke, die für viele Anleger als psychologische und charttechnische Unterstützung gilt.
Das Börsengerücht: Milliarden-Airdrop als kurzfristiger Schock
Flo bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: Ein Ereignis aus Asien sorgte für zusätzliche Nervosität. Demnach habe eine Börse versehentlich einen Airdrop im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar an Nutzer-Wallets ausgeführt – statt kleiner Beträge wurden angeblich enorme Summen in Bitcoin ausgeschüttet.
Obwohl sich schnell herausstellte, dass es sich um ein internes Versehen handelte und die meisten Transfers gestoppt werden konnten, war die kurzfristige Marktreaktion heftig. In solchen Situationen reicht oft schon das Gerücht, um Angst zu erzeugen: „Kommen jetzt Milliarden an Bitcoin auf den Markt?“ – allein diese Vorstellung kann zu panikartigen Verkäufen führen.
Als die Lage aufgeklärt wurde, stabilisierte sich der Kurs zwar kurzfristig wieder, doch die psychologische Wirkung blieb bestehen.
Warum kam die Erholung nicht zurück Richtung 80.000?
Besonders auffällig ist: Der Bitcoin sprang zwar zwischenzeitlich wieder deutlich nach oben, erreichte aber nicht mehr die zuvor starke Zone um 80.000 bis 84.000 US-Dollar. Diese Region hatte lange als stabile Unterstützung gegolten, wurde jedoch „wie durch Butter“ nach unten durchbrochen.
Und genau das ist charttechnisch entscheidend: Wenn ein Markt eine tragende Unterstützungszone verliert, wird diese Zone häufig zum Widerstand. Der Bitcoin müsste also nicht nur steigen – er müsste auch beweisen, dass Käufer bereit sind, auf höherem Niveau wieder aggressiv einzusteigen.
Das ist bislang nicht geschehen.
Ein Extremwert im Markt: Z-Score signalisiert Überverkauf
Dirk liefert dazu eine interessante Einordnung aus statistischer Sicht: Der Rückgang zählt zu den stärksten Bewegungen, die Bitcoin jemals gezeigt hat.
Gemessen am sogenannten Z-Score, der Abweichungen vom Normalverlauf in Standardabweichungen darstellt, lag die Bewegung bei etwa -6 Sigma. Historisch wurde nur ein Ereignis stärker registriert: der Corona-Crash, der bei etwa -9 Sigma lag.
Solche Werte sind selten – und deuten darauf hin, dass der Markt kurzfristig stark überverkauft war. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass eine technische Gegenbewegung möglich ist. Allerdings ersetzt Überverkauftheit keine Trendwende – sie zeigt nur, dass der Markt kurzfristig überreagiert haben könnte.
Die entscheidenden Unterstützungen: 65.000 und vor allem 60.000
In der Diskussion kristallisieren sich klare Schlüsselmarken heraus:
– 65.000 US-Dollar gilt als kurzfristiger Stabilitätsbereich
– 60.000 US-Dollar ist die zentrale psychologische Unterstützung
– darunter öffnet sich Raum Richtung 55.000, möglicherweise sogar 45.000 US-Dollar
Flo betont: Sollte Bitcoin die 60.000 nachhaltig unterschreiten, könnte der Markt deutlich schneller fallen als viele erwarten. Denn unterhalb dieser Zone fehlen kurzfristig starke technische Haltepunkte.
Damit wird klar: Der Markt befindet sich an einem Punkt, an dem nicht nur „ein paar Prozent“ auf dem Spiel stehen, sondern möglicherweise die gesamte Struktur der laufenden Bewegung.
Strategische Anleger vs. kurzfristige Trader: Money Management wird entscheidend
Dirk macht deutlich, dass Anleger jetzt eine Grundsatzfrage beantworten müssen:
Bin ich langfristig investiert – oder handle ich kurzfristig?
Wer strategisch an Bitcoin glaubt, sollte nicht in Panik verkaufen, gerade nicht nach einem der stärksten Abverkäufe der Geschichte. Gleichzeitig sei professionelles Money Management entscheidend. Dazu gehört auch, Positionen gegebenenfalls abzusichern – etwa über Short-Derivate oder andere Hedging-Instrumente.
Der Markt bietet Chancen, aber eben nur für diejenigen, die mit Risiko umgehen können.
Institutionelle Investoren: Die Stimmung bleibt erstaunlich positiv
Ein besonders wichtiger Teil der Diskussion betrifft die Frage, wie institutionelle Anleger derzeit auf Bitcoin blicken.
Flo berichtet von einem institutionellen Kongress in Mannheim: Dort sei die Nachfrage nach Bitcoin-Themen sehr hoch gewesen. Private Banker und Vermögensverwalter würden aktiv darüber nachdenken, Bitcoin in ihre Portfolios und Produktpaletten aufzunehmen.
Bemerkenswert: Kaum jemand sprach Bitcoin die Existenzberechtigung ab. Im Gegenteil – das Sentiment sei durchweg konstruktiv gewesen.
Allerdings zeigte sich auch ein klarer Fokus: Institutionelle Investoren interessieren sich in erster Linie für Bitcoin als Wertspeicher, weniger für Altcoins oder technologische Blockchain-Use-Cases.
Strategy und Michael Saylor: Muss er wirklich verkaufen?
Immer wieder wird in Abwärtsphasen das gleiche Narrativ bemüht: Strategy (ehemals MicroStrategy) könnte gezwungen sein, Bitcoin zu liquidieren.
Flo widerspricht dieser Interpretation deutlich. Zwar sei die Aktie stark gefallen und der Marktwert des Unternehmens liege aktuell unter dem Wert der Bitcoin-Bestände (Net Asset Value). Doch entscheidend sei: Strategy habe weiterhin Zugang zum Kapitalmarkt. Solange das Unternehmen Geld aufnehmen kann, besteht kein akuter Zwang, Bitcoin zu verkaufen.
Das bedeutet: Ein unmittelbarer „Saylor-Crash“ erscheint derzeit unwahrscheinlich – auch wenn der Markt diese Angst gerne als Druckmittel nutzt.
ETF-Flows und Retail: Erste Stabilisierung, aber noch kein Trendwechsel
Auch die Datenlage im ETF-Bereich liefert gemischte Signale. Während zuvor starke Abflüsse zu beobachten waren, gab es zuletzt wieder moderate Zuflüsse – ein erstes positives Pflänzchen.
Auf der Retail-Seite hingegen zeigt sich Zurückhaltung: Robinhood meldete sinkende Kryptoumsätze, was darauf hindeutet, dass Privatanleger derzeit weniger aktiv sind.
Dirk berichtet aus der Praxis: Bei NextAsset habe es zwar weiterhin Zuflüsse gegeben, jedoch sei die Nachfrage aktuell insgesamt dünner geworden – was in einem nervösen Marktumfeld nicht überraschend ist.
Die gefährliche Korrelation: Bitcoin bewegt sich wie ein Software-Index
Ein besonders spannender Teil der Analyse betrifft eine Beobachtung, die langfristig problematisch sein könnte: Bitcoin zeigt eine auffällige Korrelation zu einem US-Software-Index.
Dabei handelt es sich nicht um Unternehmen mit direktem Bitcoin-Bezug, sondern um klassische Softwarewerte. Das deutet darauf hin, dass Bitcoin von vielen Marktteilnehmern weiterhin wie ein „Risk-On-Tech-Asset“ behandelt wird – statt als eigenständiger Wertspeicher, wie es der langfristige Investment-Case eigentlich vorsieht.
Flo formuliert es drastisch: Für den Business Case Bitcoin wäre es entscheidend, sich von dieser „Risikokapital-Logik“ zu lösen. Solange Bitcoin wie ein Tech-ETF gehandelt wird, bleibt er anfällig für jede Risk-Off-Bewegung an den Aktienmärkten.
Fazit: Hoffnung ja – aber nur, wenn die Schlüsselmarken halten
Die Analyse zeigt ein klares Bild: Der Bitcoin befindet sich in einer entscheidenden Phase.
Die Bewegung nach unten war außergewöhnlich stark, statistisch selten und technisch massiv. Gleichzeitig ist der Markt kurzfristig überverkauft, was eine Stabilisierung möglich macht.
Doch die entscheidende Bedingung bleibt:
Bitcoin muss die Zone um 60.000 US-Dollar verteidigen.
Hält diese Marke, könnte sich ein Boden ausbilden, auf dessen Basis eine Erholung möglich wird. Bricht sie, öffnet sich charttechnisch ein deutlich größeres Risiko – mit Kurszielen, die viele Anleger derzeit noch verdrängen.
Institutionelle Investoren wirken weiterhin interessiert, ETF-Zuflüsse stabilisieren sich leicht, und langfristige Anleger bleiben grundsätzlich positiv. Dennoch ist klar: Der Markt bleibt fragil – und die nächsten Wochen werden entscheidend.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er dient ausschließlich der Information und spiegelt Einschätzungen und Meinungen aus der Sendung wider.
17.02.2026, nxtAssets
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