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Bitcoin im Wandel: Institutionelle Anleger & Marktstruktur | ntv-Zertifikate Talk

Steigende Zinsen, hohe Staatsverschuldung und ein nervöser Start in den September beschäftigen derzeit die Kapitalmärkte. Im ntv Zertifikate-Talk diskutieren Raimund Brichta, Daniel Saurenz von Feingold Research und unser Geschäftsführer Dirk Heß zunächst, was das aktuelle Umfeld für Aktien und mögliche Korrekturen bedeutet. Anschließend richtet sich der Blick auf Bitcoin: Welche Rolle spielen Schulden und der sogenannte Debasement-Trade – und verändert der wachsende Anteil institutioneller Anleger zunehmend die Struktur des Bitcoin-Marktes?

Zinsen und Aktienmärkte: Kommt die nächste Korrektur?

Steigende Zinsen sorgen kurzfristig für Gegenwind an den Aktienmärkten. Nach der vorangegangenen Stärke haben sowohl die US-Indizes als auch der DAX zum Start in den September nachgegeben. Eine Korrektur muss dabei nicht zwangsläufig negativ sein. Nach den zuvor erreichten Rekordständen könnte ein Rückgang beim DAX um fünf bis zehn Prozent neue Einstiegsmöglichkeiten eröffnen.

Gleichzeitig wartet viel Kapital an der Seitenlinie auf niedrigere Kurse. Das spricht dafür, dass eine solche Korrektur auch von kurzer Dauer sein kann. Zusätzliche Unruhe könnte im Vorfeld der US-Midterm-Wahlen entstehen. Der September gilt zudem statistisch als schwacher Börsenmonat – auch wenn sich saisonale Muster keineswegs jedes Jahr wiederholen.

Als Orientierung für stärkere Nervosität am Markt kann der Fear-and-Greed-Index dienen. Besonders Phasen von „Extreme Fear“ können als Kontraindikator interessant werden. Laut Saurenz kann es in solchen Marktphasen sinnvoll sein, nicht auf den exakten Tiefpunkt zu setzen, sondern mögliche Einstiege über mehrere Tage oder Wochen zu staffeln. Auch eine deutlich steigende Volatilität kann anzeigen, wie stark die Unsicherheit bereits ausgeprägt ist.

Vom Aktienmarkt führt der Blick damit direkt zum Kryptomarkt. Auch dort stand der Fear-and-Greed-Index im Jahresverlauf zeitweise sehr niedrig. Zuletzt hat sich Bitcoin jedoch wieder deutlich erholt.

Warum rückt der Debasement-Trade Bitcoin in den Fokus?

Zu den Faktoren, die im Gespräch als Treiber der Bitcoin-Erholung genannt werden, zählen unter anderem die zuvor gestiegenen Zinsen und die hohe Staatsverschuldung in den USA. In diesem Zusammenhang wird auch der sogenannte Debasement-Trade als Erklärungsansatz genannt.

Dahinter steht die Überlegung, einen Teil des Vermögens unabhängiger vom US-Dollar zu positionieren und in andere Anlageklassen umzuschichten. Gold und Bitcoin gehören dabei zu den genannten Alternativen. Der US-Dollar nimmt als wichtigste Reservewährung dennoch eine besondere Stellung ein, da ein großer Teil des globalen Vermögens weiterhin in Dollar investiert ist. Entsprechend geht es nicht um einen vollständigen Ausstieg aus der „Dollarwelt“, sondern um die Verlagerung eines begrenzten Teils des Vermögens. Ein solcher Prozess kann sich über viele Jahre entwickeln.

Für Bitcoin kommt als noch junge Anlageklasse die Frage des Vertrauens hinzu. Dieses entsteht nicht bei allen Anlegern unmittelbar, sondern entwickelt sich häufig erst mit einem besseren Verständnis der Funktionsweise von Bitcoin, der zugrunde liegenden Blockchain und des konkreten Anwendungsfalls. Eine intensivere Beschäftigung mit der Anlageklasse kann dabei helfen, ihre Eigenschaften und Risiken besser einzuordnen und zu beurteilen, welche Rolle Bitcoin im eigenen Vermögen spielen kann.

Wie verändern institutionelle Anleger den Bitcoin-Markt?

Ein zentraler Unterschied zu früheren Bitcoin-Zyklen liegt in der stärkeren Beteiligung professioneller und institutioneller Investoren. Mit den Bitcoin-ETFs in den USA hat diese Anlegergruppe einen weiteren Zugang zum Markt erhalten. Dadurch ist zusätzliches Anlagevermögen in Bitcoin geflossen, das stärker auf eine längerfristige Allokation ausgerichtet ist.

Das verändert auch die Diskussion über die Volatilität. In vergangenen Korrekturphasen verlor Bitcoin 50, 60, 70 oder 80 Prozent, teilweise sogar bis zu 90 Prozent seines Wertes. Im aktuellen Zyklus betrug der Rückgang bislang rund 50 Prozent; die Marke von 60.000 US-Dollar hat gehalten.

Mehr langfristig investiertes Kapital kann die Ausschläge im Markt dämpfen. Das gilt allerdings in beide Richtungen: Weniger extreme Rückgänge können auch mit weniger starken Bewegungen nach oben einhergehen. Für Bitcoin wäre eine geringere Schwankungsbreite dennoch ein Zeichen zunehmender Stabilität.

Ob die Marke um 60.000 US-Dollar bereits den Tiefpunkt des aktuellen Zyklus markiert hat, lässt sich daraus nicht ableiten.

Bitcoin kaufen: langfristige Allokation oder kurzfristiges Timing?

Für Anleger macht es einen wesentlichen Unterschied, ob Bitcoin langfristig allokiert oder kurzfristig gehandelt werden soll. Bei einem längeren Anlagehorizont können regelmäßige oder gestaffelte Käufe dazu dienen, den Einstieg über verschiedene Kursniveaus zu verteilen. Das reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Einstiegszeitpunkt, ändert jedoch nichts am grundsätzlichen Marktrisiko. Bitcoin bleibt volatil und starke Kursverluste bis hin zum Totalverlust sind auch bei langfristiger Haltedauer möglich.

Beim kurzfristigen Timing steht dagegen die aktuelle Marktsituation stärker im Mittelpunkt. Bei Feingold Research wurde beispielsweise eine im August aufgebaute Long-Position Ende August geschlossen. Ein solcher taktischer Ansatz versucht, kurzfristige Marktbewegungen gezielt zu nutzen – ist aber darauf angewiesen, Ein- und Ausstiegszeitpunkte gut einzuschätzen.

Genau darin liegt das Dilemma: Wer auf einen günstigeren Einstieg wartet, setzt darauf, dass es zu einem Rücksetzer kommt. Ebenso kann die erwartete Korrektur aber auch ausbleiben und der Kurs weiter steigen. Den perfekten Einstiegszeitpunkt gibt es daher auch bei Bitcoin nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob die gewählte Vorgehensweise zum eigenen Anlagehorizont und zur persönlichen Risikotragfähigkeit passt.

Kann der CLARITY Act den Kryptomarkt bewegen?

Neben der Markttechnik rückt die Regulierung in den USA in den Fokus. Entscheidend wird sein, wie das Verfahren zum CLARITY Act im US-Senat weitergeht.

Kommt es zur Abstimmung und Verabschiedung, könnte dies dem gesamten Kryptomarkt einen positiven Impuls geben. Bleiben weitere Fortschritte dagegen aus, sieht Saurenz kurzfristig das Risiko erneuter Abgaben. Auch ein Test bisheriger Tiefstände wäre dann nicht ausgeschlossen.

Fazit

Der aktuelle Bitcoin-Zyklus unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von früheren Marktphasen: Professionelle und institutionelle Anleger spielen eine größere Rolle, zugleich ist mehr Kapital mit einem langfristigen Anlagehorizont investiert. Das kann die Dynamik eines Marktes verändern, der bislang für besonders extreme Kursbewegungen bekannt war.

Kurzfristige Korrekturen sind damit nicht ausgeschlossen. Die entscheidendere Entwicklung findet jedoch auf struktureller Ebene statt: Je stärker Bitcoin langfristig allokiert statt ausschließlich taktisch gehandelt wird, desto stärker kann sich auch der Charakter des Marktes verändern. Weiterhin bleibt neben Zinsen, Marktstimmung und institutionellen Kapitalströmen die US-Regulierung ein wichtiger Faktor für die weitere Entwicklung von Bitcoin.

Hinweis: Dieses Video und der dazugehörige Beitrag dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Investitionen in Kryptowährungen und Krypto-ETPs sind mit erheblichen Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

07.09.2026, nxtAssets

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