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Bitcoin und S&P 500: Warum die Korrelation keine feste Portfolio-Rolle vorgibt

Die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 ist für Investoren mehr als eine statistische Kennzahl. Sie entscheidet mit darüber, ob Bitcoin im Portfolio als eigenständige Renditequelle, als Diversifikator oder eher als weiteres Risikoasset neben Aktien wirkt. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die aktuelle Marktphase: Im Mai 2026 erreichte die rollierende 30-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 mit 0,81 ein Mehrjahreshoch.

Doch der aktuelle Gleichlauf täuscht über seine eigene Instabilität hinweg. Seit 2019 wechselten sich gemeinsame Aufwärtsphasen, parallele Abverkäufe und deutliche Entkopplungen immer wieder ab. Bitcoin folgt dem S&P 500 – bis kryptospezifische Faktoren das Verhältnis aufbrechen. Ein Blick zurück schafft Klarheit:


Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 von Januar 2019 bis Mai 2026
Abbildung 1: Bitcoin-Preis, S&P 500 und gleitende 30-Tage-Korrelation, Januar 2019 bis Mai 2026*
Quelle: Eigene Darstellung (nxtAssets), Mai 2026. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken.

Von 2019 bis 2023: Phasen von Gleichlauf und Entkopplung

Am Anfang dieser Entwicklung steht jedoch nicht der Gleichlauf, sondern die Eigenständigkeit. Zwischen Januar 2019 und Februar 2020 war kein stabiles gemeinsames Muster zwischen Bitcoin und dem S&P 500 erkennbar; Bitcoin entwickelte sich weitgehend unabhängig vom Aktienindex. Während der Bitcoin-Kurs 2019 von rund 3.000 auf etwa 12.000 US-Dollar stieg, fiel die Aufwärtsbewegung des S&P 500 deutlich moderater aus.

Der COVID-Crash im März 2020 veränderte dieses Bild abrupt. Bitcoin und Aktien wurden gleichzeitig verkauft, als Anleger Liquidität suchten und Risiken reduzierten. Die bereits positive Korrelation stieg deutlich an. In dieser Stressphase zeigte sich klar: Bitcoin war als eigenes Risikoasset kein Gegenpol zum Aktienmarkt. Ab Ende 2020 bewegten sich beide Märkte erneut häufiger in dieselbe Richtung, Bitcoin allerdings mit deutlich stärkeren Ausschlägen.

Im Sommer 2021 brach dieses Muster allerdings wieder auf: Während der S&P 500 weiter zulegte, fiel Bitcoin von rund 60.000 auf etwa 30.000 US-Dollar. Insbesondere regulatorische Maßnahmen in China und die Debatte über den Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerks prägten diese Phase. Die Korrelation drehte zeitweise ins Negative. Bereits ab August bewegten sich beide Märkte wieder stärker gemeinsam. Damit zeichnete sich eine Annäherung an den Aktienmarkt ab, ohne dass sich bereits ein stabiler Gleichlauf etabliert hatte.

Im Jahr 2022 hielt dieser stärkere Gleichlauf zunächst über weite Strecken an. Mit der Zinswende der US-Notenbank gerieten Bitcoin und der S&P 500 gemeinsam unter Druck und die Korrelation blieb positiv. Darin zeigte sich eine klassische Risk-off-Phase: Mit nachlassender Risikobereitschaft trennten sich Investoren sowohl von Aktien als auch von Bitcoin. Erst der Zusammenbruch der Krypto-Handelsplattform FTX im November setzte einen eigenständigen Impuls im Kryptomarkt. Bitcoin brach ein, während sich Aktien stabilisierten. Die Korrelation schlug kurzzeitig in den negativen Bereich aus.

Wieder deutlich wechselhafter wurde das Verhältnis zwischen Bitcoin und dem S&P 500 im Jahr 2023. Die Korrelation wies positive wie negative Ausschläge auf; zugleich stieg Bitcoin deutlich stärker als der S&P 500. Ein wesentlicher eigenständiger Nachfragefaktor war in dieser Phase die Erwartung der Zulassung von US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Seit 2024: Neue Nähe, alte Brüche

Die Zulassung der Spot-Bitcoin-ETFs in den USA Anfang 2024 erleichterte den Zugang zu Bitcoin über bestehende Wertpapier- und Risikomanagementprozesse. Investoren konnten Bitcoin-Positionen damit leichter in bestehende Portfolios integrieren – also in Strukturen, in denen sie auch Aktienrisiken steuern. Die ETFs schufen den Gleichlauf mit dem S&P 500 allerdings nicht neu: Phasen stärkerer gemeinsamer Bewegung waren bereits 2020 und 2021 sichtbar. Seit 2024 gewann dieser Zusammenhang durch den breiteren institutionellen Zugang zusätzlich an Bedeutung.

Der Juli 2024 zeigt jedoch, dass Ereignisse innerhalb des Kryptomarktes den Gleichlauf weiterhin deutlich unterbrechen können. In dieser Phase veräußerte der Freistaat Sachsen rund 50.000 beschlagnahmte Bitcoin; gleichzeitig begann die einstige Kryptobörse Mt. Gox mit Rückzahlungen an Gläubiger. Der daraus resultierende positive Angebotsschock wirkte unmittelbar auf Bitcoin, während der S&P 500 weiter zulegte. Die Korrelation drehte entsprechend deutlich ins Negative. Auch zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 entwickelten sich beide Märkte zeitweise auseinander.

Im März 2026 zeigte der Korrelationschart nochmals einen ausgeprägten negativen Ausschlag. Im Umfeld geopolitischer Spannungen geriet der S&P 500 unter Druck, während sich Bitcoin kurzfristig in die entgegengesetzte Richtung bewegte.

Ab April drehte die Korrelation wieder deutlich ins Positive und erreichte im Mai mit bis zu 0,81 ihren höchsten Wert im Betrachtungszeitraum. Nach einer kurzen Abschwächung tendiert sie im Juni erneut auf diesem Niveau. Bitcoin und der S&P 500 bewegen sich in der aktuellen Marktphase damit weiterhin auffallend eng in dieselbe Richtung.

Fazit: Bitcoin ist weder verlässlicher Diversifikator noch dauerhafter Aktienverstärker

Die Analyse zeigt vor allem eines: Für Investoren greift weder das Etikett „Diversifikator“ noch „Aktienverstärker“ weit genug. Der Analysezeitraum zeigt weder eine verlässlich negative Korrelation, auf der ein dauerhafter Diversifikationseffekt beruhen könnte, noch einen stabil positiven Gleichlauf, über den sich Bitcoin gezielt als Trendverstärker einsetzen ließe. Die Korrelation beschreibt die jeweilige Marktphase – nicht aber eine feste Eigenschaft von Bitcoin.

Auch ein über mehrere Monate anhaltender Gleichlauf ist deshalb noch kein belastbares Strukturmerkmal. Wer Bitcoin aufgrund einer einzelnen Korrelationsphase eine strategische Rolle zuschreibt, verwechselt eine Momentaufnahme mit einem langfristig tragfähigen Zusammenhang.

Für die Portfolioallokation ist daher entscheidend, ob die aktuellen Markttreiber von Bitcoin zu der Rolle passen, die das Asset im Portfolio übernehmen soll.

*Methodischer Hinweis: Dargestellt ist die rollierende 30-Tage-Pearson-Korrelation der täglichen Renditen von Bitcoin in US-Dollar und des S&P 500 auf Basis der jeweiligen Tagesschlusswerte. Betrachtungszeitraum: Januar 2019 bis Mai 2026; Stand: 28.05.2026. Die kurzfristige Korrelationsbetrachtung macht Veränderungen im Gleichlauf sichtbar, reicht für langfristige Portfolioaussagen allein jedoch nicht aus.

16.06.2026, nxtAssets

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